Initiative Siglinde
Ein Strickprojekt in Bosnien-Herzegowina, um die Lebensqualität von Frauen, die dort durch den Krieg viel verloren haben, wieder zu entfalten

Konvoi-Berichte 2019


KONVOI - BERICHT JUNI 2019

 

Nun, wir erlauben uns Sie, lieber Leser, für einen Moment zu bitte inne zu halten. Einfach inne zu halten. Einfach für wenige Momente auszugsteigen aus dem täglichen Lärm um Vieles und oft Nichts.

Es ist einer dieser besonderen Tage. Wir stehen nach üblichen getanen Vorbereitungen in der Früh vor unserem Auto, ein Freund kommt - er spricht mit uns das Gebet - immer vor dem Konvoi tun wir das. Aber dieses mal ist es etwas anders. Er trifft genau mit dem was er sagt. Schon sind wir kurz danach auf der Straße, über 1000 km vor uns. Alles läuft glatt.

Wir kennen das. Wir treffen die zweite Gruppe - sie sind schon in Sarajevo. Zrinka, die Leiterin von "initiative Schmetterling" und technische Leiterin, und Ivica ihr Partner. Kurzer Abgleich aller nötigen Themen, nichts Unnützes.....
Nächster Morgen, Zusammentreffen mit 70 Schülern, Kinder, Jugendliche und wirklich ganz erstaunlich - die Frauen der Strickgruppe von "initiative-siglinde". Sie wollen lernen wie man Coach wird, sie sind nicht mehr die, die wir vor Jahren getroffen haben. Nein - Sie haben Glanz in den Augen, etwas Biss in ihrer Sprache - und sie wollen was !!
Sie wollen lernen wie man anderen hilft.....
Die Veranstaltung beginnt - wir haben 4 Tage vor uns - diesmal ist es die Aufgabe die Menschen zu befähigen mittels einfacher Selbsthilfeübungen Ihre Trauma-Einflüsse in die Linderung zu bekommen. Da sich Traumata von den Eltern auf die Kinder übertragen können, ist es höchst angebracht das die jungen Menschen sich damit auseinandersetzen. Und sie tun es - mit viel Herz, viel Spaß und Freude. Es wird viel gelacht, gehüpft, gescherzt und dennoch beginnt hinter dieser ehrlichen fröhlichen, teils ausgelassenen Stimmung, ein echtes Verstehen und Erkennen sichtbar zu werden. Ein Verstehen von Etwas das eine ganz eigene Qualität hat - eine eigene Beteiligung am Leben, an der Möglichkeit nicht mehr ausgeliefert zu sein - ein Funke der in trockenes Heu fällt und der zu brennen beginnt. Die Möglichkeit zu gesunden. Die Möglichkeit ein Stückchen freier zu werden - all das......


Es ist zuweilen greifbar nahe diese Einsicht - welche hervorragend von Zrinka und ihren beiden Lehrerinnen Meagan und Sejla, denen wir größten Respekt zollen, in lieber ruhiger sanfter Art vermittelt wird. Einfach ein "Können" was sich hier im Dienste dieser Aufgabe zeigt. Eine Einsicht sich mehr zu spüren, ein Stück mehr die eigene Mitte zu begreifen, mehr selber sein. Raus aus diesem ständigen Mehr, Besser, Lauter, Höher, Weiter..... - auch ein bisschen verlegenes Lachen, selbst die wilderen Burschen beruhigen sich mehr und mehr und werden einfach lieb und staunend. Zrinkas Worte sind wie Steine im See - langsam aber sicher dehnen sich die Wellen des Wohlwollens bis hin zu dem Inneren der Beteiligten aus - alle spüren das.


Ivica, ihr Mann, ein wunderbarer Philosoph, trägt die Anatomie des Traumas in täglich statt findenen Vorträgen in einer Art und Weise vor die durchdrungen ist von eigenem Erleben und Verstehen. Gute, wichtige Theorie...


Die Tage sind getragen von einer Woge des Verstehens.
Es ist besonders!
Es ist besonders diese Arbeit tun zu dürfen - den Menschen dienlich zu sein.


Die jahrelange Treue unserer Paten, unserer Spender, unserer Freunde hat beigetragen ein neues Plateau zu erreichen. Unsere Team-Mitglieder, unsere Teampartner die ihre jahrelange Arbeit im Sinne dieser Aufgabe tun, sind wunderbar. Sie machen es gemeinsam mit Ihnen allen möglich, dass diese Menschen etwas von dem spüren was selbst wir oft nicht genug achten - die Freiheit - die Möglichkeit ein Leben zu leben, getragen von Werten, Achtung, Respekt und Liebe.


Haben Sie Nachsicht das wir dieses mal etwas ins Schwärmen kommen - es ist einfach diese Freude über den Erfolg den diese Menschen mit durch Ihre Hilfe erzielen.

Seien Sie Teil, seien Sie weiter Teil - es ist soviel möglich, wir müssen es einfach nur tun.

Es sind Werke, nicht die Worte, die es ausmachen...... Sie verstehen das. Sie Sind es für die wir hohe Achtung haben.

Wissen Sie, mittlerweile erfahren wir dass die Jugendlichen zu Hause diese Übungen ihren Eltern zeigen, und die tun diese. Verstehen Sie - die Eltern arbeiten, wenn sie arbeiten, 7 Tage, teils Doppelschicht und sehen sich als Familie kaum. Aber sie lassen sich diese Übungen von den eigenen Kindern zeigen. Manche von den Jugendlichen haben seit der letzten Veranstaltung im April angefangen in humanitären Aktivitäten zu wirken, auch beteiligen sie sich an Umweltaktivitäten, Tierschutz usw. Dieses Engagement wird durch eine großartige Lehrerin sehr unterstützt und gefördert. Ihr Name ist Ribana, und Sie pflegt ein äußerst herzliches und auf Augenhöhe geführtes Verhältnis zu Ihren Schülern.  Wir bedanken uns auch bei der Direktorin dieser Schule, dass wir für unsere Veranstaltung die Turnhalle benutzen durften. 


Am stärksten haben die Frauen aus der "initiative-siglinde" Emails der Dankbarkeit und wie es ihnen hilft gesendet, sie schreiben:

 


"Ein großes Dankeschön für Eure Arbeit. Es gibt Menschen die uns heilen, aber keine Ärzte sind, sondern ein großes Herz und selbstlose Liebe haben"....

Das ist der Geist der sich breit macht in einem Land welches gebrannt hat und sich nun aus der Asche die Bewegungen zeigen.... helfende, liebevolle Haltungen - und das soll auch so sein... 



Nun, am Ende sei gesagt - und das wissen Sie - das, wenn ein Umstand besser wird, dann fließt das in andere Lebensbereiche, usw.

Der Rest der Frauen und ein weiterer Teil von Jugendlichen warten auf uns. Sie warten - werden wir kommen, werden wir unser Versprechen halten, werden wir es wirklich wahr machen, werden wir mehr sein als ein Wind der kommt und geht, kann man sich auf uns verlassen?
Wird es Euch dann wieder geben, wenn wir einen Brief schreiben, per Email, in dem steht "Liebe Freunde, wir fahren wieder, sie warten, wir haben gesagt das wir kommen - Wir brauchen Euch, Eure Gebete, Eure Spenden, Eure guten Gedanken.... 


Uns wird es geben!

Bis bald
Euer Team von "initiative-siglinde" und "initiative-Schmetterling"

 



KONVOI - BERICHT April 2019

Fahrt nach Sarajevo und nach Sanski Most


A. Veranstaltung - Ein Ausbildungstag für  Menschen die sich kostenlos zu Coaches ausbilden lassen um den traumatisierten Menschen zu helfen den Einfluß des Traumas auf Sie zu reduzieren. Um dadurch wieder mehr Energie für das Leben in der Gegenwart zu haben und Ihr Leben aus sich selbst heraus eigenbestimmter leben zu können.
B. Übergabe von Therapiematerial an die Gruppe in Sarajevo und Sanski Most.
C. Eine Veranstaltung am Taubenplatz in Sarajevo, auf der sich fremde Menschen begegnen können. Ein Öffnen für sein Gegenüber und wahrgenommen werden.
 
Die Vorbereitungen für diesen Konvoi begannen im Grunde schon kurz nach dem letzten Konvoi im Januar 2019.
Kontakte wollen gepflegt werden, die sich aus der Abendveranstaltung im Januar ergeben haben.
Hefte mit den Übungen für die Ausbildung müssen rechtzeitig fertig sein. Flugblätter zum Verteilen am Taubenplatz werden gebraucht. Therapiematerial muss vorbereitet werden und transportfertig gemacht - Dokumente müssen rechtzeitig ihren Weg zwischen Bosnien und Deutschland gehen, damit sie am Tag der Abfahrt bereit liegen und einen reibungslosen Grenzübertritt gewährleisten.
Die Besetzung des Back Office muss stehen, Back Office Plan erstellen, und, und, und....
(Back Office ist die Abteilung, die 24 Stunden in Deutschland auf Posten ist um den Konvoi und alle Schritte im Blick zu haben). Fragen die wir stellten und Aufgaben die zu erledigen waren, werden zügig umgesetzt und an uns zurück gemeldet.
 
Am 15. April um 8:00 Uhr morgens gehts los nach Sarajevo.  Die Fahrt verläuft relativ reibungslos, auf den Straßen ist wenig Verkehr und die Grenzübertritte sind kein Problem. Und schließlich kommen wir um ca. 23:00 Uhr in Sarajevo an.
 
Nun erst mal ein paar Stunden Schlaf.
Am nächsten Morgen kommen 30 angemeldete Personen zu unserer Ausbildungsveranstaltung. Es nehmen auch alle Frauen aus der Strickgruppe teil, sowie eine Lehrerin mit ihren Schülern und Schülerinnen - sie machen eine Schule im medizinischen Bereich die psychologisch ausgerichtet ist.  Außerdem eine promovierte Sachverständige mit dem Studiumsschwerpunkt "Entstehung der Kriminalität", ein Sportlehrer und noch andere Personen. 
Alle sind an unserem neuen Programm sehr interessiert.
Es ist bemerkenswert wie sehr dieses Programm die Menschen immer mehr berührt und sie sich darauf eingelassen haben. Sie wollten mitmachen, dabei sein anderen zu helfen und selbstverständlich geholfen bekommen.
 
Der Zweck dieses Programms ist - kostenlos einfache, schnell erlernbare Coaching Methoden zur Selbstheilung zur Verfügung zu stellen.
Die Anwendung dieser Methoden/Übungen kann zur Linderung von Traumaeinflüssen beitragen.
Wir werden 500 Personen kostenfrei ausbilden, so dass sie in der Lage sind diese Übungen an ihr gesamtes Umfeld weiter zu geben.
 
Diese zweite Veranstaltung hat 16 Übungen zum Inhalt.
Wir führen diese vor, erklären sie und alle Teilnehmenden führen sie sofort durch. Die Übungen werden öfters wiederholt.
Diese Übungen sind mitunter von der Programmleiterin Zrinka Smolcic zusammengestellt, welche in Steilheilkunde, Dorn-Breuss Therapie, Schröpftherapie, als Heilpraktiker, Aufstellungsarbeit, Individualtherapie, chinesische Medizin, tibetisches Mantraheilen ausgebildet ist - um nur einige zu nennen.
Die Übungen sorgen rasch für eine heitere Stimmung, ein freudiges Mitmachen ist deutlich erkennbar.
Die Schüler und Schülerinnen sind ca. 18 - 19 Jahre alt. Unsere Frauen aus der Strickgruppe kannten einen Teil der Übungen schon aus dem Januar und waren nicht minder begeistert über die rasche Wirkung die sie erlebten. Auch bei den anderen Personen waren Veränderungen bemerkbar, sie sagten das mehr Ruhe in sie eingekehrt ist.
 
Man könnte sich nun fragen "Was haben denn die 18jährigen Schüler und Schülerinnen mit Trauma zu tun"?
Die Antwort ist so einfach wie erschreckend zugleich -
Zwei Mädchen leiden unter chronischen Panikzuständen, von einem Mädchen hat sich der Bruder erhängt, danach der Vater erschossen. Von einigen haben sich Elternteile erhängt. Ca. ein Drittel der Jugendlichen haben gar keine Eltern mehr oder nur noch einen Elternteil.
Und das sind die Geschichten die sich nur innerhalb 2 Stunden erlaubt haben hervorzutreten.
Die wirklich tiefen Sachen werden nicht erwähnt........
Soweit zur Antwort was haben diese Jugendlichen mit dem Thema Trauma zu tun.
 
Der Krieg ist vorbei. Die Wirkungen dauern an - und manche Menschen greifen oft zur letzten Lösung um diesem Druck und der Ohnmacht des Nachkriegleidens zu entgehen. Und es ist nicht so, dass die Erlebnisse im Krieg Halt machen bei den Menschen die sie erlebt haben. Es scheint sich weiter in die nächste Generation fortzupflanzen und in der Nachkriegsgeneration ebenso zu wirken.
 
Am Ende der Veranstaltung melden sich 18 von 30 Personen neu und werden die fortgeschrittene Coaching Ausbildung machen. Die Termine für das Jahr 2019 werden bekannt gegeben.
Alle nehmen sehr gerne das Unterrichtsheft in denen die Übungen beschrieben werden mit um sie zu verteilen.  Verteilen an einzelne Personen, an die nähere Umgebung, an die Nachbarn - einfach breit nach Außen gehen damit!!!
 
Es ist die erste breite Maßnahme dieser Art.
 
Nach der Veranstaltung gibt es noch ein Treffen mit den Frauen aus dem therapeutischen Strickprojekt. Wir sprechen über ihre Arbeiten, überreichen das Material und planen gemeinsam was aus dem mitgebrachten Therapiematerial entsteht.
Es ist den Frauen anzusehen und anzumerken wie durch die Stricktherapie ein Wandel in ihnen geschehen ist und geschieht. Sie haben immer mehr diese Freude in den Augen, sie schauen einen richtig an, ihr Haupt ist erhoben, ihr Stolz kehrt zurück....
Wir kümmern uns um die weitere Planung für das Jahr 2019.
Planung, Zukunft, Hoffnung... mit all dem beschäftigen wir uns und das nehmen sie mit nach Hause  um sich dort weiter damit zu beschäftigen.
Die Sarajevogruppe ist die erste Gruppe mit der wir begonnen haben...., sie sind am weitesten.
 
Zwischendurch kommen Freunde, zeigen uns ihr Baby, wollen Fotos von uns und übergeben uns bescheidene, kleine Geschenke - wir lachen gemeinsam, machen Witze... es ist als wäre alles in Ordnung.  Und in diesen Momenten ist die Welt auch besser wie in anderen Momenten.
 
Der zweite Tag geht zur Neige.
Wir treffen uns nochmals um 18:00 Uhr am Taubenplatz mit einigen Menschen, verteilen Flugblätter, machen aufmerksam das es diese Hilfe gibt.
 
Dann gegen 20:00 Uhr ins Auto, weiter bis Sanski Most. Um 1:00 Uhr Nachts treffen wir dort ein, schneller Schlaf da am nächsten Morgen die nächste Gruppe bereit steht.  Wieder vieles geklärt, Produkte wurden angeschaut, bewundert, Fragen beantwortet, Vereinbarungen erzeugt... Die Gruppe dort, sie besteht aus verschiedenen Vereinen, gab sich äußerste Mühe im Herstellen von Patchwork - Rucksäcken und anderen genähten Produkten. Auch hier ist eine Veränderung wahrnehmbar. Die Qualität der Produkte nimmt zu. Sie denken schon darüber nach was man noch alles nähen könnte. Ein gutes Zeichen.
Es ist 12 Uhr mittags und unser nächstes Ziel ist München. Wir fahren gleich zurück und kommen wohlbehalten gegen 22 Uhr an. Zügig wurden alle Utensilien verräumt die ein Konvoi benötigt und erneut eine ersehnte Ruhehpause.
Am nächsten Morgen findet die Aufarbeitung und Planung für den nächsten Abschnitt statt - und schon beginnt leise die innere Vorbereitungsuhr wieder zu ticken, fürs nächste mal.
 
Liebe Freunde, Spender, Paten, Helfer - das alles geht nur mit Eurer Hilfe. Wir möchten das ganz stark und innig zum Ausdruck bringen, das Ihr es seid die all das möglich machen. Und Ihr könnnt sicher sein: Wir gehen weiter und weiter und hören nicht auf damit das zu tun was diesen Menschen hilft. Fühlt Euch frei dabei mitzumachen - einmal bei so einer Reise mit dabei zu sein, selber vor Ort all das gesehen und erlebt zu haben.
Es ist eine Möglichkeit...
 
Nun, ein DANKE von Herzen an Euch, wir denken an Euch. Wir sagen den Menschen in Bosnien das es Euch gibt, das Ihr es seid die dieses Projekt stützen.
 
 
Herzliche Grüße
Siglinde Anzenberger mit Team



KONVOI - BERICHT JANUAR 2019

Fahrt nach Sarajevo und nach Sanski Most
   
Ziele/Ergebnisse:
 

A. Den Frauen der Sarajevogruppe die nächste Ebene der fachlichen Qualität zu ermöglichen. Der Beginn zu noch mehr Können.
B. Beginnende Selektion von Menschen die sich kostenlos zu Coaches ausbilden lassen um den  traumatisierten Menschen zu  helfen  die Wirkung          des Krieges und Mißbrauchtraumas auf Sie zu reduzieren.
    Aufbau einer freien Gruppe von Helfern.
C. Übergabe von Therapiematerial an die Gruppe in Sarajevo und Sanski Most.
D. Vorberereitung der Jugendakademie im Februar 2019 (weitere Selektion eines Teilnehmers)


1.1.2019 Dienstag

Aufstehen um 5.30 Uhr war dann doch etwas schwer, nach unserem mitternächtlichen Planunsgespräch, in dem wir noch die letzten Änderungen besprochen haben. Nachdem alles in die Autos geladen, die Checks gemacht waren, und mit einem Gebet das uns auf unserem Konvoi begleitet hat,  fuhren wir um 7:30 los. Wenig Verkehr, angenehmes Vorwärtskommen,  auch die Wetterverhältnisse - die Straßen waren schneefrei, waren uns wohl gesonnen.

Zusteigen in der Nähe von Passau unseres neuen Teilnehmers für die Jugendakademie. Weiter geht es nach Zagreb, dort steigt ein weiterer Teilnehmer zu, der uns beim Aufbau der Helfergruppe unterstützt.
Während der Fahrt gibt es nochmal Veränderungen im Ablauf des Konvois. Kurz vor der Ausfahrt nach Novska, der nächstgelegene Grenzübergang nach Bosnien, trennt sich der Konvoi. Eine Gruppe fährt nach Sanski Most,  die andere Gruppe fährt nach Sarajevo weiter.

Die Fahrt nach Sarajevo zieht sich in die Länge, die neue Strecke die wir von Banja Luka aus gewählt haben, ist eine Straße die durch ein Skigebiet führt, und aus der schneefreien Straße bis Banja Luka wird bald eine zwar geräumte, aber schneeige Straße. Es geht nur langsam vorwärts, weil die Strecke sehr kurvig ist und ständig bergauf führt. Wir haben den Eindruck das wir dem Himmel und den Sternen sehr nahe kommen. Endlich geht es wieder bergab, als wir Travnik erreichen, wissen wir, jetzt sind wir wieder auf ebener Strecke bis nach Sarajevo. Ab kurz vor Travnik sind die Straßen auch wieder Schneefrei und zügig zu befahren. Als wir um kurz nach Mitternacht in Sarajevo ankommen, einen Parkplatz nah beim Hostel gefunden haben, checken wir ein und fallen müde ins Bett.


2.1.2019 Mittwoch

Um 8:00 Treffen des Teams zur gemeinsamen Besprechung des Tagesablaufs. Dieses mal treffen wir uns an einem neuen Platz mit den Frauen, direkt in der Altstadt von Sarajevo. Wir hatten zwar Zeit für die Hinfahrt, die Parkplatzsuche und das Ausladen des Materials eingeplant, aber womit wir nicht gerechnet hatten, die Straßen jetzt am Morgen sind voller Schnee. Als wir Nachts ankamen, war kein Schnee in Sicht. Also, erst mal das Auto fahrbereit machen und dann natürlich langsam fahren, sehr rutschig. Wir sind früh genug dran, so dass wir pünktlich sind.

Wir haben Glück, in einem Innenhof nahe des Treffpunkts ist ein Parkplatz. So haben wir die Bananenkisten mit dem Material nicht weit zu tragen. Vor dem Eingang wartet schon Amira, eine Frau aus der Strickgruppe - unsere Wiedersehensfreude ist groß. Wir bringen alle Sachen hoch (5. Stock) in den Raum wo unser Treffen stattfindet. Amira will unten noch auf die anderen Frauen aus der Gruppe warten. Nachdem um 10 Uhr erst zwei Frauen aus der Gruppe da  sind warten wir noch und es gibt bosnischen Kaffee.

Während dem Warten werden mir schon die neuen Produkte in die Hände gedrückt und gezeigt. Mein Urteil ist für die Frauen sehr wichtig. Sie wollen genau hören, ob ihr Produkt sehr gut ist oder ob es Mängel hat. Und dann sprechen wir über die Mängel. Und natürlich auch wenn etwas sehr gut gelunngen ist.  Bewundernswert ist, wie die Frauen annehmen und  daraus lernen wollen aus den Fehlern, auch wenn es zuerst einmal Erklärungen gibt warum der Mängel entstanden ist, weil müde, weil krank, weil Dioptrin ....
In der Zwischenzeit sind zwei weitere Frauen eingetroffen. Eine von ihnen ist sehr aufgelöst, weil vor ihr auf der Straße ein Autounfall passiert ist und es braucht eine Weile bis sie sich wieder beruhigt hat. Sie sagt, heute hätten sie eignetlich keine keine 10 Pferde aus dem Haus gebracht, aber mein Kommen, hat sie alle Ängste überwinden lassen. Es sind viele Produkte dabei die sehr schön geworden sind. Mehr Frauen werden heute nicht mehr kommen, da der viele Schneefall sie lieber Zuhause bleiben lässt. Zwei von den Frauen sagen,  dass sie morgen nicht kommen können weil sie einen Arzttermin haben. Gemeinsam überlegen wir ob wir das morgige Treffen stattfinden lassen, auch weil es wegen des Schneefalls unsicher ist wer von den Frauen die heute schon nicht gekommen sind, morgen alles kommen wird. Wir beschließen gemeinsam dass das Treffen nicht stattfindet. Es ist so wichtig mit ihnen gemeinsam zu diskutieren und zu einem Ergebnis zu kommen und nicht einfach zu bestimmen. 

Somit können wir morgen den Tag gemeinsam nutzen um unsere Handouts für die Veranstaltung am Freitag Abend zu verteilen. Den abwesenden Frauen schicken wir eine Nachricht das wir uns erst am Freitag wieder treffen werden. Und sie sollen uns Bescheid geben ob sie kommen. Eigentlich hatten wir noch eine Veranstaltung geplant, die wir aber nicht machen konnten weil sie nicht genehmigt worden ist. 

 Am Abend trifft unser Anwärter für die Jugendakademie ein. Er war bei der Gruppe in Sanski Most dabei und ist mit dem Bus nach Sarajevo gekommen um uns in den nächsten Tagen zu unterstützen. Er soll möglichst viel kennernlernen um sich einen Eindruck machen zu können. Wir machen unsere gemeinsame Abendbesprechung was haben wir an dem Tag umgesetzt und gehen den morgigen Tag durch.

3.1.2019 Donnerstag

Morgenbesprechung um 8 Uhr, wer macht was.

Zwei von uns fahren am Vormittag Stoffherzen holen in einem anderen Stadtteil von Sarajevo. Diese verschenken wir an alle die sich durch unsere Ansprache und den Handouts angesprochen fühlen zu unserer Abendveranstaltung am Freitag zu kommen. Zweck der Veranstaltung  ist es Menschen zu gewinnen, die Interesse haben in einer Gruppe von Helfern mitzuwirken. Inhalt der Veranstaltung ist Trauma und  leichte Übungen vorzustellen und zu machen, die helfen sich zu stabilisieren.

Wir teilen uns in zwei  Gruppen und verteilen die mitgebrachten Handouts im Basar, in der Altstadt von Sarajevo. Zwei Frauen aus der Strickgruppe unterstützen uns tatkräftig.  Bei allen die wir ansprechen zaubert das Stoffherz das wir überreichen ein Lächeln in ihr Gesicht, nachdem die Menschen ihr Mißtrauen von Fremden einfach angesprochen zu werden, überwunden haben und damit öffnen sie sich leichter für unser Anliegen.

Uns wird erklärt das die Menschen denken, dass man ihnen etwas verkaufen will, wenn man sie auf der Straße anspricht. Die Temperaturen liegen bei - 11 Grad. Nach ca. 3 Stunden in denen wir ca. 150 handouts verteilt haben, treffen sich die zwei Gruppen wieder, etwas ausgefroren, in einem Cafe. Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis. Nachdem wir uns ausgetauscht haben über unsere Erlebnisse der Aktion, gehen wir nochmal den den Ablauf der morgigen Abendveranstaltung durch und auch den Tagesablauf.

4.1.2019 Freitag

Heute sind alle Frauen aus der Strickgruppe anwesend.  Es gibt einige Diskussionen und Emotionen. Eine Frau ist unzufrieden, weil sie meint das wir die Zusage gemacht haben, alle Produkte abzunehmen. Und in ihrer Unzufriedenheit hat sie weitere Frauen aufgestachelt gegen uns und unsere humanitäre Arbeit. Die Frauen aus der Gruppe sprechen heftig miteinander und es zeigt sich, dass alle Frauen, bis auf sie, sehr zufrieden und auch glücklich sind das es uns gibt und das wir mit ihnen sind.

Bislang hatte ich nie über den Aufwand und die Anstrengung gesprochen die es für uns bedeutet einen Konvoi zu organisieren, durchzuführen um ihnen Material zu bringen, sie zu schulen und die Möglichkeit zu geben sich aus ihrem Trauma "herauszustricken". Ich erklärte ihnen das es viel bequemer wäre, zuhause zu bleiben, unsere  Freizeit nicht mit Material sammeln, organisieren und, und, und..  zu verbringen. 

Es war eine Gratwanderung mit der unfzufriedenen Sichtweise dieser einen Frau gut umzugehen, so dass diese nicht noch mehr Schaden anrichtet. Vor allem weil sie im Grunde genommen allein mit dieser Sichtweise war, und sich dadurch von der Gruppe getrennt hat, deshalb wollte sie die zwei anderen Frauen auch von ihrer Sichtweise überzeugen. Am Ende war es wieder friedlich. Ihre Sichtweise konnte sie  dennoch nicht ändern, weil sie sich damit im Recht fühlt und sie auch Druck aus ihrem Umfeld bekommt. 

Mein und unser Hauptaugenmerk liegt und lag darin diejenigen durch unsere Aufmerksamkeit zu stärken , die  sich aufgehoben fühlen und unser Tun wirklich zu schätzen wissen. Die wissen und erleben, das es in unserer Arbeit darum geht sie durch die Förderung ihrer handwerklichen Fähigkeiten die Wirkung der Inhalte ihrer Traumas auf sie und ihr Selbstwertgefühl zu reduzieren.

Nach dieser Herausforderung, hat unserer neue Partnerin, eine ausgebildete Therapeutin aus Offenburg, einen Vortrag über Trauma gehalten und einige Übungen gezeigt und mit den Frauen durchgeführt. Diese helfen, wenn sie regelmäßig gemacht werden, sich zu stabilisieren. Und, wichtig, die Frauen können das ganz allein verursachen. Es liegt an ihnen ob sie diese machen und sich dadurch selbst der Wirkung ihres Traumas auf sie und ihr Leben mehr und mehr entziehen. Je öfter sie diese Übungen machen, umso mehr bemerken sie wie sie durch ihren eigenen Willen wieder in ihre eigene Kraft kommen können.

Während dieser Zeit wurden von mir weiterhin ihre Produkte begutachtet und mit jeder Frau wurde besprochen was sie seit dem letzten mal verbessert hat, und worauf sie noch mehr achten kann um noch mehr ins Können zu gelangen. Und es ist wunderbar wie sie das was ich ihnen sage annehmen und sich sofort Gedanken dazu machen, und ihren Wunsch zu spüren sich wieder Fähigkeiten anzueignen um noch besser in ihrem Handwerken zu werden.

Mit viele Küssen und Umarmungen verabschieden wir uns bis zum nächsten mal im April.

An der Abendveranstaltung, die im "Zentrum für Gesundes Altern" stattfindet, nehmen 25 Menschen teil. Der Vortrag war in bosnischer Sprache und unsere Therapeutin spricht über Trauma - Entstehung, Symptome und Auswirkungen. Sie stellt Übungen vor die helfen können sich zu stabilisieren. Die Übungen werden auch durchgeführt - alle Anwesenden machen mit. Es melden sich auch immer wieder Personen aus dem Publikum um über eigene Erfahrungen zu sprechen.

Am Ende tragen sich viele Menschen in die Listen ein um in Kontakt mit uns zu bleiben. Jeder bekommt beim Hinausgehen zwei Herzen von uns geschenkt, eins für sich und eins zum Weiterverschenken. Das lockt bei allen ein freudiges Lächeln hervor.


Das andere Team aus unserer Gruppe wirkt derweil in Sanski Most.

Sie treffen sich mit zwei Frauen, die stellvertretend für die neun Vereine in Sanski kamen. Normalerweise sind bei unseren Treffen mindestens ein Dutzend und mehr Frauen dabei. Doch dieses mal konnten viele nicht kommen, da sie den Jahreswechsel für Reisen zu Verwandten nutzen oder Verwandte zu ihnen auf Besuch kommen.  Da eine der beiden Frauen fließend Deutsch spricht brauchte es keinen Dolmetscher.
Nach der herzlichen Begrüßung zeigen sie was die Frauen aus den geschenkten Stoffen erschaffen haben: Die phantasievollen Patchwork-Arbeiten zeigen ihr feines Gespür für Farbe und Form, ebenso die Freude am kreativen Handwerk. Große Freude bei den zweien über unsere Begeisterung.

Eine der Frauen hat früher als Krankenschwester gearbeitet, die andere ist Schneidermeisterin und hat vor dem Krieg auch Lehrlinge ausgebildet. Sie hat nun begonnen anderen Frauen das Nähen beizubringen. Wie gesagt, die Ergebnisse können sich sehen lassen.
Vor allem aber ist es schön, dass die verschiedenen Gruppierungen in der Stadt begonnen haben etwas gemeinsam zu machen, sich gegenseitig auszutauschen und zu helfen. Wir übergeben 8 Bananenkartons mit Stoffen und Nähzubehör, dass sie dankbar entgegen nehmen und verabschieden uns.

 

Im April dieses Jahres wird ein weiterer Konovi stattfinden. Dieser wird wieder gefüllt sein mit neuen Aufgaben und Zielen. Und wir sind dankbar, wir haben alles erreicht was wir uns vorgenommen haben. Dank Eurer Hilfe, Eurer Aufmerksamkeit undUnterstützung. Es braucht noch viel davon, denn die Aufgaben die bewältigt werden wollen sind groß - und auf vielen Schultern trägt es sich leichter.

 

 


Je mehr wir den Gemeinschaftsgedanken leben umso mehr leben wir in Gemeinschaft.

Herzliche Grüße
von Siglinde und dem wachsenden Team


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