Initiative Siglinde
Ein Strickprojekt in Bosnien-Herzegowina, um die Lebensqualität von Frauen, die dort durch den Krieg viel verloren haben, wieder zu entfalten

Konvoi-Berichte 2016

KONVOI - BERICHT NOVEMBER 2016

zuerst ein großes Danke.

Mit Ihrer  Unterstützung ist es uns gelungen im Konvoi vom 29.10. - 5.11.2016 Neues zu bewegen. Zu unserem Strickprojekt gibt es jetzt zusätzlich ein Nähprojekt, das Nähen von Stofftaschen. Mit diesem Nähprojekt geben wir zum einen den Frauen die Möglichkeit ihre Fertigkeiten in einem anderen Handwerk auszuüben und zum anderen wollen wir einen Beitrag leisten den Plastikmüll zu verringern. 

Wir haben viele Stoffe und 4 Nähmaschinen mit Zubehör gespendet bekommen. In Sarajevo sind es 4 Frauen, in Prusac sind es 10 Frauen die sich 4 Nähmaschinen teilen, in Kozarac sind es 2 Frauen die sich im Nähprojekt einbringen. Im Januar 2017 werden wir in zwei neuen Orten tätig sein, sowohl mit dem Stricken als auch mit dem Nähen.
Das Strickprojekt erweitert sich. In Sarajevo sind zwei neue Frauen dazu gekommen. In Kozarac waren dieses mal insgesamt 40 Frauen dabei. Es findet viel Anklang bei den Frauen.

Zum Strickprojekt:

Das Stricken ist eine Art Therapie, die den Frauen hilft, wenn man die richtigen Schritte tut, sich mehr und mehr aus ihren Traumas zu lösen und Freude in der Gegenwart zu erleben. Wir stellen fest, dass sich die emotionale Lage der Frauen von mal zu mal verändert. Die Exaktheit der Strickprodukte hat zugenommen. Die Freude am Tun ist größer geworden. Die Ausdauer und die Konzentrationsfähigkeit ist wesentlich stärker. Sie sitzen in der Gemeinschaft, genießen es zusammen sein zu können und lassen sich wenig ablenken vom Stricken. Ihr Interesse neue Modelle, neue Muster zu lernen ist höher geworden.

Diese Veränderungen im Seelischen zeigen sich an den Strickprodukten. Daran kann man die Verbesserungen erkennen. Und ein wichtiger Punkt ist, dass sie selber merken das ihre Fähigkeiten wachsen, das sie immer besser mit den Materialien umgehen können und das der Wunsch in ihnen exakter zu arbeiten ausgeprägter wurde. Das Maschenbild wird gleichmäßiger, die Fäden sind sehr sauber vernäht, die Abkettmaschen haben eine gewisse Flexibilität.

Wir konnten wieder viele Produkte, wie Schals, Loops, Pulswärmer, Rundumjacken, Haussocken und Mützen mitnehmen. All diese Sachen werden ihre Liebhaber finden.
Helfen  Sie uns weiterhin das Leben dieser Frauen lebenswerter zu machen. Denn jede Veränderung mehr ins Leben hinein, wirkt sich auf naturgegebene Weise auf das nähere und das weitere Umfeld aus.
Im Januar 2017 werden wir in zwei weiteren Orten Strickschulen und das Nähprojekt gründen. Unterstützen Sie uns weiter. Wir brauchen für Januar weiteres Material (Wolle, Stoffe, Nadeln, Häkelnadeln, Garn, Nähfäden ..) und wir brauchen Spendengelder um den Konvoi finanzieren zu können. Mit Ihrer Hilfe schaffen wir es immer mehr Frauen aus der seelischen Dunkelheit zu führen.
Herzlich
Siglinde Anzenberger
Gründerin von initiative-siglinde


 

KONVOI - BERICHT APRIL 2016

Seit der Gründung der ersten Strickschule, an der 5 Frauen teilgenommen haben und dabei geblieben sind, ist diese am Wachsen. In Sarajevo sind es jetzt 10 Frauen, im Herbst werden weitere dazu kommen.  Die zweite Strickschule wurde im April 2016 in Prijedor gegründet.  In dieser nahmen 18 Frauen teil und alle wollen im Herbst 2016 wieder dabei sein.   Im Herbst werden wir zur bestehenden Strickschule ein dritte eröffnen, für diese haben sich bereits  20 neue Frauen angemeldet.  

 


Bei den Strickfrauen in Sarajevo nehme ich bei jedem Besuch Veränderungen wahr. Dieses mal waren diese Veränderungen noch  spürbarer.  Sie sagen selber, dass ihnen das Stricken hilft zu mehr Ruhe zu kommen, es beruhigt ihre Nerven, sie können sich jetzt besser konzentrieren. An den Stricksachen die sie produziert haben seit Oktober, an der Präzisheit, der Gleichmäßigkeit, der Genauigkeit und der eigenen Kreationen kann ich sehen, dass der Prozess der Veränderung in ihnen begonnen hat und die ersten Früchte trägt. Sie sehen selbst wie sie ihre Fähigkeiten gesteigert haben, wie es ihnen gelingt über einen längeren Zeitraum konzentriert zu arbeiten. Sie fühlen sich wertvoller. Sie haben mehr Lebensenergie zurück gewonnen. Freude und Zuversicht verbreiten sich.

In den gemeinsamen Tagen reden  wir viel miteinander. Was alles in der Zwischenzeit passiert ist, ob es ihnen schwer oder leicht gefallen ist die Sachen zu stricken.  Und woran es gelegen hat. Wir sprechen darüber ob sie etwas anders machen können oder müssen.  Und was ganz wichtig ist, das ich ihre gestrickten Sachen begutachte, und auf Fehler anschaue. Das erwarten sie mittlerweile von mir. Sie möchten nicht mehr, wie zu Beginn, das darüber hin weg gesehen wird.  Weil sie nun von sich aus  besser werden wollen, es ist ihr eigenes Wollen. Das ist ein wesentlicher Fortschritt. Ich bin berührt und begeistert von all dem.

In der neuen Strickschule  ging es erst mal darum festzustellen was können die Frauen im Stricken. Wenige  waren darin geübt, einige haben  seit 20 Jahren nicht mehr gestrickt und die Hälfte konnte nicht stricken. In kurzen Vorträgen habe ich  vermittelt worum es geht und worauf sie sich einlassen.  Sie haben geübt, sie haben sich angestrengt. Maschenanschlag, Gestricktes das Mängel hatte  wieder auflösen und neu beginnen bis es in einer Qualität ist, die es braucht und die auch gewünscht wird.  Und sie haben sich gegenseitig unterstützt. Diejenigen die stricken können haben es den Frauen beigebracht die es lernen wollen.  So ist ein Kreis aus Geben und Nehmen entstanden. Alle Frauen haben sich wohl gefühlt und sich nach den drei Tagen entschieden an der Strickschule teilzunehmen. Und es gab einen ganz wunderbaren Moment -  alle Frauen haben mitsammen für uns gesungen.  In dieser Region gab es seit dem Krieg keine humanitäre Unterstützung dieser Art. Umso wichtiger ist es nun stabil für die Frauen da zu sein und so die Zeit der Nichtbeachtung zu überwinden.

Für alle Teilnehmerinnen in beiden Strickschulen gab es dieses mal Mitgliederausweise. Auf diese haben sie ihre Namen geschrieben und unterschrieben.  Auch von mir wurden die  Ausweise unterschrieben und mit Stempel versehen. Dies ist ein wichtiger Punkt. Er zeugt von Dauerhaftigkeit, Zugehörigkeit und gibt Stabilität. Und ist Ausdruck von Wertschätzung.

All das gehört zum Gesundungsprozess und unterstützt den therapeutischen Ansatz in dem Projekt. Dieser besteht unter anderem darin, zeigen zu dürfen das man etwas kann und was man kann,  das stärkt den Glauben an sich. Zugeben zu dürfen das man etwas noch nicht kann und die Chance zu bekommen es zu lernen. Und zu entdecken das Lernen aus Üben besteht und es solange tun darf bis man weiß man kann es – ich darf mir die Zeit nehmen die ich brauche um es zu können. Mir wird geholfen die Stolpersteine des Aufgebens zu überwinden und so an mein Ziel zu kommen.

Ein Danke von Herzen

an Alle die uns auf diesem Weg begleiten und unterstützen und so zum Gelingen beitragen.

„Was du willst das dir getan, das tue für andere“ – in diesem Sinne

Alles Gute

Siglinde Anzenberger